Das Fediverse

Bei vielen freien Diensten wirst Du auf Formulierungen wie "föderiert" oder "ist Teil des Fediverse" stoßen. Doch was bedeutet das eigentlich?

Kurzgesagt: Ein solcher Dienst ist auf mehrere Server / Webseiten verteilt, die miteinander verbunden sind. Webseiten in diesem Umfeld werden oft als "Instanzen" bezeichnet. Egal auf welcher Webseite / Instanz eines Dienstes Du Dich registrierst: Du kannst Dich mit allen im Netzwerks unterhalten, ihnen folgen und ihre Inhalte teilen.

Das Fediverse ist ein Netzwerk voneinander unabhängiger Webseiten, die untereinander Inhalte austauschen.

Dieser dezentrale Ansatz klingt für Dich möglicherweise etwas ungewohnt. Tatsächlich begegnet er uns aber im Alltag in vielerlei Form. Ob Handyvertrag, Bankkonto oder E-Mail: Stets hast Du die Wahl, bei welchem Anbieter Du Dich niederlässt. Über eine einheitliche Kennung (IBAN, Handynummer oder E-Mail-Adresse) kannst Du mit allen im entsprechenden Netzwerk interagieren. Diese Möglichkeiten bleiben Dir auch nach einem Wechseln des Anbieters erhalten. Du musst lediglich Deine neue Kennung an Deine Kontakte weitergeben.

Das Fediverse überträgt diesen Gedanken auf soziale Netzwerke. Die Kennung eines Accounts ähnelt hierbei einer E-Mail-Adresse mit vorangestelltem @-Zeichen. Sie besteht aus Deinem Anmeldename und der Webseite, die Du gewählt hast. Ein Beispiel hierfür ist unsere Kennung @swisode@my.swiso.de.

Jede Person ist im Fediverse über eine eindeutige Kennung @anmeldename@instanzname erreichbar.

Die "Anbieter" im Fediverse sind überwiegend Privatpersonen und gemeinnützige Organisationen. Diese verfolgen mit dem Betrieb ihrer Instanzen keine kommerziellen Interessen. Zudem hat keine von ihnen die Kontrolle über das gesamte Netzwerk. Daraus ergibt sich eine hohe Ausfall- und Zensursicherheit. Außerdem stärkt das die Privatsphäre, da es keinen zentralen Datenbestand für Auswertungen gibt.

Die meisten Instanzen sind relativ klein und überschaubar. So ist es deutlich leichter, mit Admin und Moderatoren in Kontakt zu treten. Im Idealfall kennst Du sie persönlich (oder bist gar Teil von ihnen) und hast entsprechend hohes Vertrauen in sie. Fortgeschrittene können auch ihre eigene Instanz betreiben - entweder alleine oder mit technischer Unterstüzung durch Dienste wie masto.host oder app.spacebear.ee.

Dank seines Aufbaus ist das Fediverse persönlicher, flexibler und sicherer als zentral verwaltete soziale Netzwerke mit kommerziellem Hintergrund.

Trotz all dieser Vorteile ist das Fediverse im Kern ein soziales Netzwerk. Es hat den freien und offenen Austausch von Informationen zum Ziel und nutzt dafür entwickelte, standardisierte Protokolle (zum Beispiel ActivityPub und OStatus). Eine Ende-zu-Ende-Verschlüsselung ist aktuell nicht Teil dieser Protokolle. Das bedeutet: Deine Nachrichten werden zwar verschlüsselt übertragen (transportverschlüsselt), doch Admins der beteiligten Instanzen haben trotzdem Zugriff auf den Klartext.

Für maximale Privatsphäre solltest Du deshalb lieber auf Dienste mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung zurückgreifen. Ansonsten behalte im Hinterkopf, dass auch Direktnachrichten von Admins der beteidigten Instanzen gelesen werden könnten - beispielsweise wenn der Empfangende sie meldet. Ferner gilt im Fediverse ebenso wie bei anderen Diensten: Öffentliche Beiträge sind stets für alle sichtbar. Entsprechend können Dritte diese indizieren und analysieren.

Das Fediverse hat noch ein paar Schwächen. Private Kommunikation ist in Diensten mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung sicherer aufgehoben.

Dennoch ist das Fediverse in jedem Fall einen Besuch wert - eine Liste der Fediverse-Dienste findest du hier.